Über die Niederbayern

Für diejenigen, die sich etwas naher mit Niederbayern befassen wollen, einige Texte über "Die Niederbayern".

Außerdem finden Sie unten auf dieser Seite bei den Literaturhinweisen interessante und unterhaltsame Lektüren rund um "die Niederbayern".

Viel Spass beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr Niederbayern-Forum e.V.

 

 

Ein duzend Gründe für Niederbayern – eine Liebeserklärung

In Niederbayern lässt es sich hervorragend leben. Waschechte Niederbayern kennen dafür Gründe dutzendweise. Sie sagen sie nur nie, weil sie lieber schweigen als prahlen. Einer hat jetzt eine Ausnahme gemacht und sich zu Innenansichten seiner Heimat tragen lassen. Eine Liebeserklärung.

1.    Niederbayern ist die Mitte Europas. Erfahrene Niederbayern haben das immer gewusst, weshalb sie die Belastungen des Hinausgehens und Ausschwärmens gern meiden. Woanders ist es sicher auch schön, aber es reicht zu wissen, dass es dort, wo man lebt, schon einmal nicht übel ist. Mehr braucht's nicht.

2.    Niederbayern ist Herzland. Der Fahrtenlust sämtlicher Völkerwanderungen bis hin zu den heutigen Warentransportströmen haben die Niederbayern stets Durchgang geboten: Man ist schnell in den Metropolen München, Regensburg, Nürnberg, im österreichischen Innviertel und in Tschechien. Man ist aber immer auch weit genug weg.

3.    Niederbayern ist mild. Das Land ist von großer Lindheit geprägt, es schwebt zwischen Sinnlichkeit und Besinnlichkeit. Selten ist etwas so schroff, dass es gleich unzugänglich wäre - das gilt auch für die Niederbayern selbst: Sie sind ebenfalls milde Menschen, die sehr viel weniger zum Cholerischen neigen als zum Melancholischen. Niederbayern wiegen grundsätzlich weniger, als sie wert sind.

4.    Die niederbayerische Küche macht satt und glücklich. In Niederbayern ist man in der glücklichen Lage, dermaßen häufig von fremden Truppen besetzt und fremden Einflüssen benetzt worden zu sein, dass die Küche durchaus polyglott ist. Österreichische und tschechische Einflüsse sind zu spüren, sogar französische. Die Küche ist auch eines der regionalen Widerstandsnester gegen alle Rasiermesserglobalisierung, neben dem Dialekt und den großen Biergläsern.

5.    Niederbayern hat Platz. Es gibt in Niederbayern keine ausgesprochenen Stadtkulturen. Das Land geht sehr in die Breite und bietet vielen vieles. Man kann in Niederbayern viel erfahren, wenn man ein wenig herumfährt. Das Land bietet in der Fläche alles, was auf einen Ort konzentriert langweilig wäre. Und so gibt es hier einen Biohof mit großartigen Waren, dort ein Atelier mit völlig neuen Kunstrichtungen und ein Stück weiter einen Möbelschreiner von altem Schrot und Korn.

6.    Niederbayern ist Wohngegend. Häuser, Höfe, Wohnungen: In Niederbayern gibt es wenig Gedränge. Die Region ist kein hektischer Bienenkorb, sondern genießt Hummelbrummgemütlichkeit. Mit durchschnittlich nur 116 Einwohnern pro Quadratkilometer kann man sich auch mal aus dem Weg gehen.

7.    Niederbayern ist Kultur. In Niederbayern gibt es die übliche Trennung zwischen Kultur und Alltag kaum. Der Niederbayer versucht, so weit es geht seine Freizeit selbst zur Kultur zu machen. Von der Wirtshauskultur mit gepflegtem, pittoreskem Herumsitzen bis zu beachtlichen Musik- und Laienspielgruppen macht er am liebsten alles selbst. Niederbayern, von Natur aus bescheiden, hängen dabei ihr Tun nicht so weit hoch, dann brauchen sie nicht den ganzen Tag Zeit, um sich selbst zu loben.

8.    Niederbayern sind zurückhaltend. In Niederbayern drängt man niemanden, irgendwo mitzumachen. Niederbayern sind ganz schlechte Missionare, weil sie ihre Mitmenschen selbst im Fall gänzlich anderer Meinung lieber in Ruhe lassen. Ob das Toleranz ist oder schlichte Faulheit, ist vom Ergebnis her egal: Man ist in Niederbayern erstaunlich liberal. Wenn man aber irgendwo Anschluss gesucht und gefunden hat, wird man nicht mehr ausgelassen, weil die Mitmenschlichkeit sehr ausgeprägt ist.

9.    Niederbayern ist Natur. Vom Bayerischen Wald bis zum atemberaubenden Donaudurchbruch: Niederbayern zieht die Blicke auf sich wie sonst nur noch die Promis in der Bunten. Niederbayern empfinden eine starke Zuneigung zu ihrem Land und seinen Schönheiten, brechen aber nie in große Jubelarien und Lobeshymnen darüber aus, weil Selbstverständlichkeiten in der niederbayerischen Mundart nicht oder nur selten ausgesprochen werden.

10.    In Niederbayern macht Freizeit Spaß. Es ist in Niederbayern immer etwas los, aber es steht stets das Miteinander im Vordergrund. Man findet in Niederbayern bei Festen, Dulten und Partys mehr liebe und nette Menschen, als alle Eventkulturen in Metropolregionen je hergäben: Weil in Niederbayern das ungeschriebene Gesetz gilt, dass jeder sich weniger wichtig macht, als er ist.

11.    Niederbayern ist Barock. In Altbayern war die katholische Kirche dermaßen erfolgreich, dass keiner mehr Lust hat, auf das Paradies zu warten. Stattdessen werden pralle Genussfreude und barocke Ornamentik ausgesprochen hoch angesehen, weil angesichts der Buntheit des irdischen Lebens das Jenseits möglicherweise so langweilig sein könnte, dass es einen grantig machen würde, auf Erden irgendetwas ausgelassen zu haben. Nachher büßen kann man's immer noch.

12.    Niederbayern ist standhaft und genießt mancherlei versteckten Reichtum. Im Vergleich dazu sind Oberpfälzer und die Oberpfalz deutlich schroffer, die Oberbayern und Oberbayern sehr viel lauter. Die reiche Geschichte des früheren Teilherzogtums hat es mit sich gebracht, dass die Niederbayern ein starkes regionales Selbstbewusstsein haben, das sie aber nicht ständig als Credo vor sich her tragen. Man trägt das lieber als Gewissheit innen drin und freut sich auf Zuzügler, weil die dieses wundervolle, reiche Land noch ein bisschen wundervoller und reicher machen. Denn es ist schön in ihm zu leben.

Christian Muggenthaler, Autor und Journalist

Veröffentlichung und Verwendung nach Absprache.
michael.kliebenstein(at)niederbayern.de

Der Niederbayer

Den Charakter des Niederbayern zu beschreiben, ist in den Zeiten der Globalisierung nahezu unmöglich.

Die Menschen im "Land ohne Wein und Nachtigallen" (1) sind in ihrem Volkscharakter durch Völkerwanderungen nach Flucht, Vertreibung, Emigration und Öffnung Europas nach dem Osten nicht so leicht auszumachen.

Den "Niederbayern" nach den Grenzen der Schullandkarte aus dem Jahr 1837 unter König Ludwig I gibt es heute ebenso wenig, wie den im Rückblick auf die erste Landesteilung Bayerns 1255 von den Historikern benannten.

Es empfiehlt sich bestenfalls auf die unbestrittene Dreiteilung des Kerngebietes in drei gewachsene Einzellandschaften zu verweisen: Im Norden der Wald; im Süden das Holz- und Hügelland zwischen Holledau, Isar und Inn; dazwischen die Donau und ihr Gäuboden. Wenngleich Benno Hubensteiner (2) trotz der verschiedenen Ansätze in der Siedlungsdichte von einem „herrlichen Dreiklang des alten Niederbayern“ spricht, wäre es bei so unterschiedlicher Natur leichtfertig, absolut Verbindliches über diesen "Menschenschlag" zu sagen.

Trotzdem kann man viel Nachgesagtes aufzählen: Beharrungsvermögen, Festhalten am Eigenen, an Menschen und Besitz, Sparsamkeit und Verschwendung zugleich, Überlegtheit und Rauflust, Heidnisches und Christliches im Brauchtum. Auf alle Fälle ist der Niederbayer zäh, arbeitsam und tüchtig, großzügig und misstrauisch gegenüber Fremdem.

Vor allem ist er kein "Wechselbalg"; er ist widerstandsfähig wie die Reichstagswahl von 1933 beweist: Niederbayern hatte weit weniger Stimmen für das "Tausendjährige Reich" abgegeben als irgendein anderes deutsches Land. In Landshut erreichte die Bayerische Volkspartei mit 35,8 % der Stimmen sogar noch den 1. Platz. Vielleicht sollte ich auf den Kontrast so unterschiedlicher Beschreibungen hinweisen, wie auf jene von Dr. Anton Wiesend (3) aus dem Jahr 1858 und von Herbert Achternbusch im Jahr 1989. Sie sind auch eine Spiegelung der gesellschaftlichen Situation in der jeweiligen Zeit: So lesen wir in der "Topografischen Geschichte der Kreishauptstadt Landshut" über die Landshuter: "Der Einwohner Landshuts teilt die allgemeinen Merkmale des ndb. Volkscharakters. In einem körnigen Körper trägt er Aufgelegtheit zu den Künsten des Friedens und den Kämpfen des Krieges. Was sein Geist einmal behandelt, behandelt er mit Beharrlichkeit und Tiefe. Er ist seiner Religion, seinem Fürsten und seinem Vaterlande aufrichtiger ergeben, wie die Geschichten aller Zeiten lehren. Sein Hang zu wohltätiger Schöpfung ist unübertrefflich. Er lässt die Armen an seinen Festen teilhaben, auch aus christlicher Nächstenliebe. Er strebt ehrgeizig, seinen Bürgersinn einzubringen."“

Hier wird dem Herrscher ein Wunschbild seines Untertanen präsentiert, während Herbert Achternbusch (4), der Heimatdichter, gut hundert Jahre später als Weltbürger zu Tage tritt, wenn er meint: "Wo ich lebe, ist früher Bayern gewesen. Jetzt herrscht hier die Welt".

In der Tat ist es so. Und das Bayerische, das Niederbayerische, muss sich selber schützen, um nicht im volkstümelnden Entertainment, in der Folklore unterzugehen. Gerade ein immer noch mit stillen Reizen bedachter Landstrich wie Niederbayern, ein von der Hektik noch einigermaßen verschontes Stück Erde, mit seinen wunderbaren Städten und Märkten, muss der Schönheit, der Poesie und der Lebensfreude eine Chance geben. Vielleicht gilt eben doch noch der Satz von Emanuel Eckart, geschrieben im Merian-Heft "Niederbayern" (5): "Wo der liebe Gott Urlaub macht".

Dann müssten auch die Sätze auf die heutigen Bewohner Niederbayerns in ihrer Zeitlosigkeit zutreffen. Land und Menschen, die sich nicht sofort erschließen, die mit Bedacht zugeknöpft sind, auf ihr Eigenleben beharren, sich auch nicht anbiedern, gern unter sich und nicht außer sich sind. Vielleicht ist nun doch eine Momentaufnahme "des Niederbayern" oder zumindest ein Wunschbild entstanden.


1: Gedichte von – aus – über Niederbayern, ausgewählt von Paula Mühleisen (Verlag: Passavia)
2: Benno Hubensteiner, Aufsatz: „Niederbayern und die Niederbayern“, Münchner Stadtanzeiger, Nr. 28, vom 8.4.1982
3: Dr. Anton Wiesend, Zitat aus: „Topographische Geschichte der Kreishauptstadt Landshut in Niederbayern.“ 1858
4: Herbert Achternbusch, Zitat
5: Merian-Heft „Niederbayern“ Nr. 11, 1989, Beitrag von Emanuel Eckardt S. 6/7

Josef Deimer


Veröffentlichung und Verwendung nach Absprache.
michael.kliebenstein(at)niederbayern.de

 

 

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Bayerischer Diplomat in Politik, Sport und Wirtschaft, DFB-Schatzmeister

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