Ein duzend Gründe für Niederbayern - eine Liebeserklärung
Christian Muggenthaler, Autor und Journalist
In Niederbayern lässt es sich hervorragend leben. Waschechte Niederbayern kennen dafür Gründe dutzendweise. Sie sagen sie nur nie, weil sie lieber schweigen als prahlen. Einer hat jetzt eine Ausnahme gemacht und sich zu Innenansichten seiner Heimat tragen lassen. Eine Liebeserklärung.
Veröffentlichung und Verwendung nach Absprache.
michael.kliebenstein@niederbayern.de
Christian Muggenthaler, Autor und Journalist
In Niederbayern lässt es sich hervorragend leben. Waschechte Niederbayern kennen dafür Gründe dutzendweise. Sie sagen sie nur nie, weil sie lieber schweigen als prahlen. Einer hat jetzt eine Ausnahme gemacht und sich zu Innenansichten seiner Heimat tragen lassen. Eine Liebeserklärung.
| 1. | Niederbayern ist die Mitte Europas. Erfahrene Niederbayern haben das
immer gewusst, weshalb sie die Belastungen des Hinausgehens und
Ausschwärmens gern meiden. Woanders ist es sicher auch schön,
aber es reicht zu wissen, dass es dort, wo man lebt, schon einmal nicht
übel ist. Mehr braucht's nicht. |
| 2. | Niederbayern ist Herzland. Der Fahrtenlust sämtlicher
Völkerwanderungen bis hin zu den heutigen
Warentransportströmen haben die Niederbayern stets Durchgang
geboten: Man ist schnell in den Metropolen München, Regensburg,
Nürnberg, im österreichischen Innviertel und in Tschechien.
Man ist aber immer auch weit genug weg. |
| 3. | Niederbayern ist mild. Das Land ist von großer Lindheit
geprägt, es schwebt zwischen Sinnlichkeit und Besinnlichkeit.
Selten ist etwas so schroff, dass es gleich unzugänglich wäre
- das gilt auch für die Niederbayern selbst: Sie sind ebenfalls
milde Menschen, die sehr viel weniger zum Cholerischen neigen als zum
Melancholischen. Niederbayern wiegen grundsätzlich weniger, als
sie wert sind. |
| 4. | Die niederbayerische Küche macht satt und glücklich. In
Niederbayern ist man in der glücklichen Lage, dermaßen
häufig von fremden Truppen besetzt und fremden Einflüssen
benetzt worden zu sein, dass die Küche durchaus polyglott ist.
Österreichische und tschechische Einflüsse sind zu
spüren, sogar französische. Die Küche ist auch eines der
regionalen Widerstandsnester gegen alle Rasiermesserglobalisierung,
neben dem Dialekt und den großen Biergläsern. |
| 5. | Niederbayern hat Platz. Es gibt in Niederbayern keine
ausgesprochenen Stadtkulturen. Das Land geht sehr in die Breite und
bietet vielen vieles. Man kann in Niederbayern viel erfahren, wenn man
ein wenig herumfährt. Das Land bietet in der Fläche alles,
was auf einen Ort konzentriert langweilig wäre. Und so gibt es
hier einen Biohof mit großartigen Waren, dort ein Atelier mit
völlig neuen Kunstrichtungen und ein Stück weiter einen
Möbelschreiner von altem Schrot und Korn. |
| 6. | Niederbayern ist Wohngegend. Häuser, Höfe, Wohnungen: In
Niederbayern gibt es wenig Gedränge. Die Region ist kein
hektischer Bienenkorb, sondern genießt
Hummelbrummgemütlichkeit. Mit durchschnittlich nur 116 Einwohnern
pro Quadratkilometer kann man sich auch mal aus dem Weg gehen. |
| 7. | Niederbayern ist Kultur. In Niederbayern gibt es die übliche
Trennung zwischen Kultur und Alltag kaum. Der Niederbayer versucht, so
weit es geht seine Freizeit selbst zur Kultur zu machen. Von der
Wirtshauskultur mit gepflegtem, pittoreskem Herumsitzen bis zu
beachtlichen Musik- und Laienspielgruppen macht er am liebsten alles
selbst. Niederbayern, von Natur aus bescheiden, hängen dabei ihr
Tun nicht so weit hoch, dann brauchen sie nicht den ganzen Tag Zeit, um
sich selbst zu loben. |
| 8. | Niederbayern sind zurückhaltend. In Niederbayern drängt
man niemanden, irgendwo mitzumachen. Niederbayern sind ganz schlechte
Missionare, weil sie ihre Mitmenschen selbst im Fall gänzlich
anderer Meinung lieber in Ruhe lassen. Ob das Toleranz ist oder
schlichte Faulheit, ist vom Ergebnis her egal: Man ist in Niederbayern
erstaunlich liberal. Wenn man aber irgendwo Anschluss gesucht und
gefunden hat, wird man nicht mehr ausgelassen, weil die
Mitmenschlichkeit sehr ausgeprägt ist. |
| 9. | Niederbayern ist Natur. Vom Bayerischen Wald bis zum
atemberaubenden Donaudurchbruch: Niederbayern zieht die Blicke auf sich
wie sonst nur noch die Promis in der Bunten. Niederbayern empfinden
eine starke Zuneigung zu ihrem Land und seinen Schönheiten,
brechen aber nie in große Jubelarien und Lobeshymnen darüber
aus, weil Selbstverständlichkeiten in der niederbayerischen
Mundart nicht oder nur selten ausgesprochen werden. |
| 10. | In Niederbayern macht Freizeit Spaß. Es ist in Niederbayern
immer etwas los, aber es steht stets das Miteinander im Vordergrund.
Man findet in Niederbayern bei Festen, Dulten und Partys mehr liebe und
nette Menschen, als alle Eventkulturen in Metropolregionen je
hergäben: Weil in Niederbayern das ungeschriebene Gesetz gilt,
dass jeder sich weniger wichtig macht, als er ist. |
| 11. | Niederbayern ist Barock. In Altbayern war die katholische
Kirche dermaßen erfolgreich, dass keiner mehr Lust hat, auf das
Paradies zu warten. Stattdessen werden pralle Genussfreude und barocke
Ornamentik ausgesprochen hoch angesehen, weil angesichts der Buntheit
des irdischen Lebens das Jenseits möglicherweise so langweilig
sein könnte, dass es einen grantig machen würde, auf Erden
irgendetwas ausgelassen zu haben. Nachher büßen kann man's
immer noch. |
| 12. | Niederbayern ist standhaft und genießt mancherlei
versteckten Reichtum. Im Vergleich dazu sind Oberpfälzer und die
Oberpfalz deutlich schroffer, die Oberbayern und Oberbayern sehr viel
lauter. Die reiche Geschichte des früheren Teilherzogtums hat es
mit sich gebracht, dass die Niederbayern ein starkes regionales
Selbstbewusstsein haben, das sie aber nicht ständig als Credo vor
sich her tragen. Man trägt das lieber als Gewissheit innen drin und
freut sich auf Zuzügler, weil die dieses wundervolle, reiche Land
noch ein bisschen wundervoller und reicher machen. Denn es ist
schön in ihm zu leben. |
Veröffentlichung und Verwendung nach Absprache.
michael.kliebenstein@niederbayern.de







