München. "Hiermit erkläre ich die Botschaft von Niederbayern
für immer und ewig eröffnet" - mit diesen Worten
enthüllte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU), der
einzige Niederbayer, den Ministerpräsident Horst Seehofer an
seinen Kabinettstisch holte, im Münchner Westpark das Schild, das
das alte Bauernhaus zur Ständigen Vertretung der Niederbayern in
der Landeshauptstadt macht. Freilich konnte sich Brunner eine gewisse
niederbayerische Selbstironie nicht verkneifen - schließlich
sehen weder bayerische Verfassung noch die Verwaltungsvorschriften des
Freistaats eine diplomatische Einrichtung in München vor. Daher
rühren auch die Gänsefüßchen vor und nach der
Bezeichnung "Niederbayerische Botschaft".
Auch die Gebäudlichkeit an sich zeigt schon, dass es hier eher um
etwas Ideelles geht: Mitten im Münchner Westpark, fernab jeder
Straße, steht noch ein jahrhundertealter niederbayerischer
Kleinbauernhof, der anlässlich der Gartenschau 1983 von der
Hoteliersfamilie Höltl, die unter anderem Betreiber des
Museumsdorfs in Tittling ist, nach München verfrachtet wurde.
Seitdem führte der Hof ein eher randläufiges Dasein. Bis sich
der Schriftsteller, langjährige Nockherberg-Redenschreiber und
überzeugte Bayerwäldler Hannes Burger, einer von mehreren
Dutzend ganz offiziellen Botschaftern Niederbayerns, gedacht hat, was
ihm eigentlich der Titel nützt, wenn er keine Botschaft hat.
Schnell entstand - zusammen mit der Unternehmerfamilie Höltl, die
das Gebäude kostenlos zur Verfügung stellt, der Regierung und
dem Bezirkstag von Niederbayern - die Idee, den Holzbauernhof zur
"Botschaft Niederbayerns" zu erklären.
Gestern dann der große Festakt mit 120 Offiziellen,
niederbayerischer Musik (Freyunger Stadtkapelle) und niederbayerischen
Schmankerln (Bier aus Freyung, Kürbissuppe, Fleisch mit
Pfifferlingen und Semmelknödeln, niederbayerische Creme) und
Gstanzeln (am Akkordeon der junge, freche Quirin Weber).
Bedenken der Stadt München, dass die Niederbayern hier Wahlkampf
betreiben oder dass der Bauernhof völlig überlaufen und wegen
zahlloser Veranstaltungen die Ruhe der Anwohner gestört
würde, konnten im Vorfeld ausgeräumt werden. Als Offizielle
der Stadt, quasi als Aufpasserin, wurde deren Tourismus-Chefin und
Oktoberfest-Organisatorin Gabriele Weishäupl entsandt. Was die
Münchner allerdings nicht bedacht hatten: Weishäupl stammt
aus Aicha vorm Wald, ist also Niederbayerin - und damit der "Botschaft"
sehr zugetan.
"Wie viele Münchner aus Niederbayern abstammen, kann man am besten
erkennen, wenn man sieht, wie viele von ihnen an Allerheiligen
über die Autobahnen nach Passau und Deggendorf ausschwärmen,
um die Gräber ihrer Ahnen und die Verwandten auf dem Land zu
besuchen", lästerte Hannes Burger in seiner ausgesprochen launigen
Eröffnungsrede. Die hielt er selbst - schließlich
"wüsste ich bei diesem Anlass keinen besseren Festredner als mich,
einen gebürtigen Oberbayern, der zum Niederbayern befördert
wurde".
Burger zeigte sich überzeugt, dass andere Bezirke bald mit eigenen
Repräsentanzen nachziehen werden, „sobald sie unseren
Zugewinn an Macht, Einfluss und Verschwörungsmöglichkeiten
mitbekommen haben“. Er sei "gespannt, wann die Franken im
Englischen Garten ein Fachwerkhaus aufstellen".
Bei aller Launigkeit in Rede und Anlass: Ernsthaftes zu tun, um
Niederbayern nach vorne zu bringen, gebe es genug, bedeutete Burger.
Von der Aufteilung des Tourismusverbands Ostbayern in Niederbayern und
Oberpfalz bis zum Bayerischen Rundfunk, der sein Regensburger
Ostbayernstudio endlich aufteilen und in Straubing, Deggendorf oder
Passau ein Niederbayern-Studio gründen solle. Schließlich
gelte der Anspruch Bayerns auf Föderalismus innerhalb Deutschlands
auch für die Bezirke und Regionen innerhalb Bayerns.
Alexander Kain,
www.pnp.de