Ein niederbayerisches Erfolgsmodell feiert Geburtstag: Seit fünf Jahren geht Niederbayern neue Wege im Regionalmarketing. Prominente Persönlichkeiten rühren auf dem gesamten Globus die Werbetrommel für ihre Heimat.

Landshut/Passau (obx) – Wie macht man eine Region deutschland- und europaweit bekannt? Wie lockt man internationale Investoren an? Und wie überzeugt man andere von den Vorteilen und der Lebensqualität seiner Heimat? Die meisten Gegenden versuchen es mit der Macht von bunten Hochglanzbroschüren, knalligen Internetauftritten und unzähligen Werbeprospekten. Ein bayerischer Regierungsbezirk geht seit gut fünf Jahren einen anderen Weg: Niederbayern setzt auf die Kraft des Wortes und der Netzwerke. Rund einhundert prominente Persönlichkeiten rühren heute als Botschafter Niederbayerns im In- und Ausland die Werbetrommel für ihre Heimat. Die Idee dazu hatte das Regionalmarketing Niederbayern. Der Erfolg bestätigt die Wirksamkeit dieser ungewöhnlichen Marketingstrategie.


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Einmal im Jahr treffen sich die Niederbayerischen Botschafter. Im Bild der Künstler Angerer der Ältere (Mitte) mit seiner Ehefrau und Managerin Margit Angerer (links) im Gespräch mit Manfred Eiberweiser sen. (rechts) (Foto: obx-news)


Das Prinzip des niederbayerischen Modells ist so einfach wie genial: Unternehmer, Sportler oder Kulturschaffende werden auf ihren Reisen um den Globus zu lebenden Aushängeschildern für ihre Heimat. Ausgestattet mit eigenen Visitenkarten mit Logo, kurzem Infomaterial und der Ehre, ein Botschafter  Niederbayerns zu sein, werden sie zu engagierten Werbern. Knapp einhundert Kultur-, Unternehmer- und Sportgrößen sind inzwischen im „diplomatischen Auftrag“ Niederbayerns aktiv. Im Kreis der „Hobby-Diplomaten“ befinden sich unter anderem Comedystar Django Asül, Bauernpräsident Gert Sonnleitner und der Ex-Eishockey-Profi Alois Schloder. 
 
„Durch diese Botschafter ist unsere Region jetzt in ganz Deutschland und sogar weltweit präsent“, sagt Michael Kliebenstein, für das Regionalmarketing zuständiger Projektleiter bei der Regierung von Niederbayern in Landshut. Bayerns ehemaliger Wirtschafts- und Finanzminister Erwin Huber – auch er ist gebürtiger und überzeugter Niederbayer – hat den Sinn der Botschafteridee einmal so auf den Punkt gebracht: „Keine Werbestrategie kann so effizient sein wie die Erfahrung der Menschen, die die Gnade haben, hier zu wohnen“, erklärt Staatsminister Erwin Huber, der selbst gebürtiger Niederbayer ist.
 
Eines verbindet alle Botschafter: Sie stehen voll hinter Niederbayern und dieser „Lokalpatriotismus“ wird durch die Botschafterrolle noch gestärkt. Einmal im Jahr lädt das Regionalmarketing die Botschafter zu einem großen Galaempfang – als dank für das Engagement.
 
Die hohe Lebensqualität, die Nähe zu den Metropolen und zum „Grünen Dach Europas“ gleichermaßen, innovative Unternehmen und modernste Hochschulen: Niederbayerns Botschafter können mit vielen Argumenten punkten. Geschäftsmann Alois Hartl, der in Bad Griesbach in Niederbayern allen Skeptikern zum Trotz Europas größtes Golfressort erbaut hat, gehört ebenfalls zum illustren Kreis der niederbayerischen Werber. „Wir müssen in Niederbayern selbstbewusster werden“, sagt er. Das ist vor allem auch als Seitenhieb auf die Oberbayern und die Münchner zu verstehen, die sich in der Vermarktung oft als bayerischer Platzhirsch hervortun.
 
Viele der Botschafter mehren durch ihre Reisen ins In- und Ausland Woche für Woche den niederbayerischen Ruf. „Ich bin viel  unterwegs und es macht einfach Spaß, den Leuten weltweit von der eigenen Heimat – und den Möglichkeiten dort zu berichten“, sagt Christine Eder, Geschäftsführerin des Reiseveranstalters BIG mit Sitz in Deggendorf.
 
Mercedeshändler Manfred Eiberweiser sen. aus Deggendorf wirbt insbesondere in Tschechien für seine Heimat Niederbayern: „Wo immer es möglich ist, spreche ich über die Kompetenz der eigenen Heimat und versuche, Aufträge für andere Unternehmen aus der Region zu generieren“, erklärt der Autohausinhaber. Wie ihm geht es vielen: „Ich fühle mich Niederbayern verpflichtet und freue mich, wenn ich etwas für meine Heimat tun kann.“
 
Unter den Niederbayern-Botschaftern befinden sich auch echte „Exoten“ – wie der Bad Füssinger Osteoporose-Spezialist Dr. Christian Günther, der als erster Sachse die diplomatischen Ehren in seiner neuen Heimat verliehen bekam. Voller Überzeugung wirbt der anerkannte Mediziner für die Gesundheitsregion Niederbayern, in der unter anderem Europas übernachtungsstärkstes Heilbad Bad Füssing liegt.
 
Die niederbayerischen Wirtschaftsförderer haben in den vergangenen Jahren nach eigenen Worten oft erfahren können, wie persönliche Kontakte eine Region nach vorne bringen können. „Wir merken immer wieder, dass viele neue Geschäftskontakte erst durch den Netzwerkgedanken zustande kommen“, sagt Maximilian Ertl, Wirtschaftsförderer in Deggendorf. 
 
Der große Zusammenhalt untereinander und der Geist, die Region gemeinsam voranzubringen, werde Niederbayern auch helfen, die Wirtschaftskrise zu meistern, glaubt der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Franz Prebeck. Er glaubt, dass der niederbayerische Werbeslogan „Niederbayern schafft Zukunft" deshalb in den nächsten Jahren wieder in aller Munde sein dürfte – auch dank der Botschafter.


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2010 Treffen der Botschafter Niederbayerns in der niederbayerischen Botschaft
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