Ostbayerns florierende Wirtschaft stemmt sich gegen die Fachkräfte-Lücke

Fachkräftemangel im Freistaat: Jedes zweite Unternehmen in Ostbayern hat bereits heute Schwierigkeiten, geeignete Bewerber für offene Stellen zu finden. Mit beispielhaften Konzepten will Ostbayern jetzt die Lücken auf dem Arbeitsmarkt schließen. 

Regensburg/Passau (obx) – Die Luft wird dünner am bayerischen Arbeitsmarkt: Rund eine Millionen Fachkräfte könnten bis zum Jahr 2030 in Bayern fehlen, prognostiziert die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Hauptursache für das Problem: die alternde Bevölkerung. Zukünftig stehen den Unternehmen immer weniger Nachwuchskräfte zur Verfügung. Ostbayern könnte das Problem besonders hart treffen – weil zusätzlich zur boomenden Wirtschaft in der Oberpfalz und in Niederbayern die Sogwirkung der nahen Metropole München kommt. Mit beispielhaften Konzepten will die Region jetzt die Lücken auf dem Arbeitsmarkt schließen. Imagekampagnen, regionale Stellenportale und Weiterbildungskampagnen der Kammern und  sollen dazu beitragen, dass der Wirtschaft nicht die Fachkräfte ausgehen.

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Die Luft wird dünner am bayerischen Arbeitsmarkt: Rund eine Millionen Fachkräfte könnten bis zum Jahr 2030 in Bayern fehlen, prognostiziert die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Foto: obx-news
 

Mit 25 Prozent Arbeitslosenanteil zählten einzelne Regionen Ostbayerns noch vor Jahren zu den Schlusslichtern in der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Das Blatt hat sich grundlegend gewendet: Die Arbeitslosenquote liegt derzeit mit weniger als vier Prozent deutlich unter dem deutschen und auch dem bayerischen Durchschnitt. Viele Betriebe in Niederbayern und der Oberpfalz suchen mittlerweile dringend nach qualifizierten Arbeitskräften.

„In 20 Jahren gibt es in der Oberpfalz fast 100.000 Erwerbstätige weniger als heute“, sagt Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Regensburg. Laut einer aktuellen Studie des Verbands der Bayerischen Wirtschaft werden sowohl Hochschulabsolventen, als auch junge Menschen mit beruflicher Bildung fehlen. Besonders im Dienstleistungssektor, aber auch in der High-Tech- und Tourismusbranche wird sich der Mangel in Ostbayern bemerkbar machen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Auch in Niederbayern ist der demographische Wandel bereits zu spüren. Durch die rückläufigen Schülerzahlen werden in 2011 etwa 700 Absolventen weniger auf den Ausbildungsmarkt kommen als im vergangenen Jahr, sagt Dr. Thomas Koch, stellvertretender Geschäftsfeldleiter Berufsausbildung bei der IHK Niederbayern. Dabei sei die Situation in diesem Jahr durch einen doppelten Abiturjahrgang in Folge der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium noch eher günstig.

Seit die Wirtschaftskrise mit dem anhaltenden Aufschwung immer mehr der Vergangenheit angehört, rückt das Problem des Fachkräftemangels wieder in den Vordergrund. Um die vollen Auftragsbücher abarbeiten zu können, brauchen viele Unternehmen dringend qualifizierte Mitarbeiter. Nach aktuellen Zahlen der IHK-Regensburg hat aber heute schon fast jeder zweite Betrieb (44 Prozent) in der Region Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften. Gesucht würden besonders Mitarbeiter mit höherer beruflicher Bildung, wie Fachwirte und Meister, aber auch Absolventen eines dualen Studiums, sagen die Experten der IHK.

Die Kammern in der Region haben zahlreiche Initiativen gestartet, um die knapper werdenden Absolventen mit attraktiven Weiterbildungsmöglichkeiten in der Region zu halten. „Karriere mit Lehre“ heißt eines der erfolgreichen IHK-Programme. Trotz der sinkenden Schulabgängerzahlen ist die Zahl der Ausbildungsverträge im Bezirk der IHK Regensburg zum Jahreswechsel um 3,1 Prozent gestiegen. „Aber auch die Unternehmen müssten früh auf ihre potentiellen Mitarbeiter zugehen, in dem sie beispielsweise Schnupper-Praktika in der Schule anbieten“, sagt Winfried Mellar, Geschäftsführer für Bildungspolitik und Weiterbildung bei der IHK Regensburg. Um Unternehmen und Bewerber zusammenzubringen, bietet das Regionalmarketing Oberpfalz die Internet-Börse Oberpfalzjobs.de an.

Zusätzlich wollen die Oberpfalz und Niederbayern auch Fachkräfte aus anderen Regionen Deutschlands und dem Ausland in die boomende Wirtschaftsregion im Zentrum Europas holen – mit groß angelegten Image-Offensive, initiiert von den Regionalmarketing-Organisationen der beiden Regierungsbezirke. Das Ziel: die Bekanntheit der Region steigern und die Vorteile im Wettbewerb verdeutlichen. Einer der stärksten Trümpfe der Region etwa im Vergleich zum Großraum München sind auch die anhaltend günstigen Lebenshaltungskosten. „Ob auf dem Lande oder in der Stadt – die Mieten sind bei uns bezahlbar. Hier gibt es Grundstücke, auf denen man noch Häuser statt Schuhschachteln bauen darf und gleichzeitig von bester Verkehrsanbindung an das Autobahnnetz profitiert“, sagt beispielsweise Michael Kliebenstein, Beauftragter des Regionalmarketing Niederbayern, der sich darum kümmert, die Vorzüge der Region bekannter zu machen.


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