Niederbayern: Deutschlands neue IT-Innovationsschmiede

Vom „weißen Fleck“ auf der IT-Landkarte zu einem der wichtigsten Kompetenzzentren der Branche in Deutschland: Exzellente Ausbildungsstätten, Gründergeist und starke Netzwerke haben der IT-Branche in Niederbayern einen kaum vorhersehbaren Boom beschert. 

Passau (obx) – Niederbayern ist auf dem Weg zu einer der führenden IT-Regionen Deutschlands. In rund 1.500 Unternehmen arbeiten heute in der Region zwischen Straubing, Landshut, Deggendorf und Passau rund 10.000 IT-Spezialisten an innovativen Software- und Hardwarelösungen der Zukunft. Der positive Trend ist auch in Krisenzeiten ungebrochen: Auch für dieses Jahr erwarten die Experten der regionalen Industrie- und Handelskammer wieder höhere Wachstumsraten als die vom Branchenverband Bitkom für ganz Deutschland im Jahr 2010 prognostizierten 2,5 Prozent. Motor des Aufstiegs: Kaum woanders in Deutschland ist der Schulterschluss zwischen Wirtschaft, Forschung und angewandter Wissenschaft so eng wie in Niederbayern. „Wir reden nicht vom Netzwerken, wir machen es“, sagt der Passauer IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart.

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Rund 1.500 Unternehmen zählt die Zukunftsbranche IT heute in Niederbayern. Die wichtigsten davon sind in einem neuen „IT-Kompetenz-Atlas“ vereint. Dieter Hilgärtner von der IHK Passau, Thomas Zajac, Vorstand des IT-Forums Niederbayern, Regionalmarketing-Leiter Michael Kliebenstein und der Passauer IHK- Hauptgeschäftsführer stellten das „Who is Who“ jetzt vor. Die Organisatoren sind sich sicher, dass das Kompendium im März wie auch 2009 wieder reißenden Absatz beim weltweit wichtigsten IT-Branchen-Treff, der CeBit in Hannover, finden wird.  Foto: obx-news

Kaum einer hatte diese Entwicklung vorausgeahnt: Noch vor rund zwei Jahrzehnten war Niederbayern ein weißer Fleck auf der deutschen IT-Landkarte. Exzellente Ausbildungsstätten, niederbayerischer Gründergeist und starke Netzwerke haben der Branche in der Region einen kaum vorhersehbaren Boom beschert. Hochschulen und Unternehmen haben daran einen entscheidenden Anteil: Bundesweit einmalig ist beispielsweise der IT-Forschungscampus an der Universität Passau, wo Studenten schon während ihrer Hochschulausbildung an echten Praxis-Projekten forschen. In bundesweiten Rankings belegt die Passauer Hochschul-IT regelmäßig erste Plätze. Auch die Fachhochschulen in Deggendorf und Landshut gelten heute im Konzert der Ausbildungsstätten als anerkannte Kompetenzschmieden in Sachen IT.
 
In nahezu allen Wirtschaftsbereichen läuft ohne IT heute nichts mehr: Ob im Automobilbau, im Maschinenbau, in der Logistik, im Verkehr oder beim Tourismus brauchen Unternehmen Zukunftslösungen, um im Wettbewerb zu bestehen. In Niederbayern haben sich in den vergangenen Jahren viele Spezialanbieter etabliert, die genau diese Lücken schließen und Produkte für die Praxis entwickeln. Zu den Aufsteigern in die „Champions League“ der europäischen IT-Branche gehört beispielsweise die Heinrichsen AG aus Straubing, die mit innovativen Softwarelösungen für den Kassenbereich heute mehr als 1.500 Kunden betreut. Im Bereich der betrieblichen Planungssoftware (ERP) gehört die Passauer Catura AG zu den weltweit führenden Entwicklern der wichtigsten quelloffenen Programmlösungen. DE Software & Control aus Dingolfing hat ein bisher in dieser Form einmaliges System entwickelt, das auch komplexeste individuelle Informationen eines Auftrags erfasst und jederzeit online zur Verfügung stellt. Die Softwarelösung „Work.Desc“ ist heute bereits in der Automobilproduktion im Einsatz. „Das ermöglicht die hundertprozentige Rückverfolgung eines Teils“, sagt Fritz Steininger, Geschäftsführer des Dingolfinger IT-Unternehmens.
 
„Erfolgsgeschichten wie diese gibt es viele in Niederbayern“, weiß der Hauptgeschäftsführer der für Niederbayern zuständigen Industrie- und Handelskammer in Passau. Er bemerkt in letzter Zeit immer öfter: Auch bei den IT-Projekten der ganz großen deutschen Konzerne ist heute regelmäßig Know-how aus Niederbayern mit an Bord. Heute ist Niederbayern nach den Worten des IHK-Hauptgeschäftsführers, gemessen an Unternehmens- und Beschäftigtenzahlen, deutlich stärker als im Bayern- und Bundesmittel. Dieser Aufstieg Niederbayerns zum neuen Stern am deutschen IT-Himmel hängt auch mit den Rahmenbedingungen am Standort zusammen. „Es ist die hohe Verfügbarkeit an qualifizierten IT-Arbeitskräften sowohl im akademischen Bereich als auch im Sektor der dualen Ausbildung, die die Region für IT-Firmen so interessant mach“, sagt Thomas Zajac, Vorstand des IT-Forums Niederbayern.
 
Auch bei den weichen Standortfaktoren kann die Region punkten: „Niederbayern bietet einen hohen Freizeitwert und verglichen mit Städten wie München günstige Lebenshaltungskosten“, sagt Michael Kliebenstein vom Regionalmarketing Niederbayern. Die Lage Niederbayerns begeistert viele: Die Metropolen Prag, München, Nürnberg und Wien sind leicht und verkehrsgünstig zu erreichen. Bestes Beispiel: Am Münchner Flughafen ist man von Landshut oder Deggendorf aus sogar deutlich schneller, als wenn man aus München selbst anreist. Niederbayern liegt aber nicht nur vor den Toren der großen Städte, sondern auch in direkter Nachbarschaft von Freizeit- und Erholungswelten wie dem Bayerischen Wald. „Diese Mischung ist es, die uns hilft, viele Unternehmen hier in die Region zu holen“, sagt Regionalmarketing-Beauftragter Kliebenstein.
 
Die gemeinsame Ansiedlungs- und Förderungspolitik der Hochschulen, des Netzwerk IT-Forums Niederbayern e.V., des Regionalmarketings sowie der Industrie- und Handelskammer Niederbayern trägt heute Früchte. Sichtbarer Beleg dafür ist ein eigener Kompetenzatlas IT, den Regionalmarketing und IT-Forum in diesem Jahr zum zweiten Mal und in deutlich erweiterter Form vorgestellt haben. Das „Who is Who“ der niederbayerischen IT-Branche (Download im Internet: www.niederbayern.de) wird auch auf der diesjährigen CEBIT in Hannover auf dem Gemeinschaftsstand Bayern innovativ präsentiert. „Alle wichtigen IT-Kompetenzträger in der Region sind dort vereint“, sagt Dieter Hilgärtner von der IHK Passau. Der IT-Branchenkenner rechnet damit, dass auch die zweite Auflage des niederbayerischen IT-Atlas bei der weltweit führenden IT-Messe reißenden Absatz findet. Niederbayern will sich in Hannover optimal präsentieren und auch dort den Netzwerkgedanken, der die IT-Region Niederbayern so erfolgreich gemacht hat, weiter pflegen: „Alle Firmen aus der Region können unseren Stand nach Anmeldung für Besprechungen nutzen“, sagt Regionalmarketing-Chef Kliebenstein
(Mail: info@niederbayern.de). Er will den regionalen IT-Unternehmen damit eine ideale Plattform auf den Weg in neue Märkte bieten.



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