06.11.2008
Wenn der Osterhase im November kommt

In Landshut schlägt Bayerns süßes Herz: In Süddeutschlands größter Schokoladenfabrik laufen jedes Jahr 35 Millionen Weihnachtsmänner und Osterhasen vom Band – die Weihnachtssaison 2008 ist allerdings bereits vorbei.

Landshut (obx) – In Deutschlands größter Fabrik für Weihnachtsmänner und Osterhasen und -eier aus Schokolade gehen die Uhren anders: Während alle Welt sich auf Heiligabend freut und die schokoladigen Weihnachtsmänner in den Geschäften gerade ihrem Verkauf entgegenfiebern, ist der Advent in den Brandt-Werken in Landshut bereits gelaufen. Seit Anfang November werden dort bereits wieder Osterhasen für das Frühjahr 2008 produziert. In Spitzenzeiten laufen bis zu 120 Hasen oder Nikoläuse pro Minute vom Band. Erst ab Juni 2009 steht bei der mit Zwieback berühmt gewordenen Marke der nächste „Nikolaus-Zyklus“ auf dem Produktionsplan.

Die Vorlaufzeiten für Ostern und Weihnachten brauchen die Schokoladenmacher, damit sowohl Hasen und Nikoläuse jeweils pünktlich im Geschäft stehen. Statistisch gesehen isst fast jeder zweite Deutsche einmal im Jahr einen Schoko-Osterhasen oder einen süßen Nikolaus aus Landshut: 2007 liefen insgesamt rund 35 Millionen Hohlfiguren in dem niederbayerischen Werk vom Band. In diesem Jahr sollen es etwa genau so viele sein.

„Jeder zweite Weihnachtsmann ist ein Bayer“, hat Arno Lohmann, Brandt-Geschäftsführer in Landshut, ausgerechnet. Fast 20.000 Tonnen Schokolade verlassen insgesamt jedes Jahr die Produktionshallen der Traditionsfabrik. Oder anders gesagt: Für jeden Deutschen produziert das Werk jedes Jahr im Durschnitt eine Menge von knapp drei Tafeln Schokolade. Jeweils Ende Oktober und Ende Mai ist Saisonwechsel in der Landshuter Schokoladenmanufaktur.

Seit diesem Jahr kann sich die Landshuter Schoko-Fabrik mit einem weiteren Superlativ schmücken: der weltgrößten Produktionsanlage für flüssig gefüllte Pralinen, wo in jeder Stunde rund vier Tonnen Weinbrandkirschen, Wodkapralinen, Moccabohnen & Co. vom Band laufen. Auf rund 3.000 Quadratmetern entstehen dort zukünftig ca. 30. 000 Tonnen Pralinen pro Jahr für den gesamten deutschen und europäischen Markt.

Bekannt geworden ist die Marke Brandt allerdings in Deutschland nicht mit Schoko-Nikoläusen, süßen Dragées und Alkohol-Pralinen. Es war die orangerote Zwiebackpackung mit dem lachenden Kindergesicht, die dem 1912 in Hagen in Niedersachsen gegründeten Familienbetrieb zu Ruhm verhalf. Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm Brandt die Keks- und Schokoladenfabrik in Landshut. Heute zeigt sich das Werk von seiner Schokoladenseite: Im Brandt-Produktonsverband ist Landshut mit den Schoko- und Weihnachtsfiguren heute mit mehr als 90 Millionen Jahresumsatz und knapp 450 Mitarbeitern der stärkste  Standort überhaupt – weit vor allen Zwieback-Fabriken. Das ist umso erstaunlicher, weil die Produkte, die in Niederbayern vom Band laufen, eigentlich nur an zwei Tagen im Jahr Saison haben.



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