02.10.2008
Sie tun Guten - und schweigen
Neue Studie am Beispiel Niederbayerns belegt: Mehr als 90 Prozent der mittelständischen Unternehmen engagieren sich für die Gesellschaft – machen ihren Einsatz aber kaum publik
Passau (obx) – Deutschlands
Manager stehen wie nie zuvor im Kreuzfeuer der Kritik. Eine Mischung
aus Milliardenverlusten bei einigen Konzernen, hohen Gehältern und
Abfindungen sowie kriminellen Machenschaften lassen das Image der
Unternehmen und ihrer Lenker dramatisch sinken. Dass es auch anders
geht, beweisen bundesweit zehntausende mittelständische
Unternehmer, die nicht nur für die Mitarbeiter sondern auch
für die Gesellschaft Verantwortung übernehmen. Bislang jedoch
mangelte es an tragfähigen Zahlen für das Engagement der
kleinen und mittelständischen Unternehmen. In einer groß
angelegten Studie haben jetzt die Industrie- und Handelskammer
Niederbayern in Passau und das Max-Planck-Institut für
Ökonomik in Jena am Beispiel Niederbayerns belegt, dass sich mehr
als 90 Prozent der Firmen in der Region für das gesellschaftliche
Wohl engagieren.
Corporate Social Responsability, wie die Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung durch Unternehmen neudeutsch heißt, ist für die Mittelständler zwischen Straubing und Passau ein großes Thema: Zwei Drittel der Unternehmen setzen auf Geldspenden, drei von fünf Firmen auf Sachspenden. Auch Sportsponsoring ist beliebt: Fast jedes zweite Unternehmen (etwa 40 Prozent) unterstützt im Durchschnitt das lokale Fußball- oder Handballteam. Auch Kultursponsoring ist für eines von fünf Unternehmen fester Bestandteil im Jahresbudget, ermittelte die gemeinsame Erhebung, an der sich rund 200 Unternehmen beteiligten.
Eine spezielle Ausbildungsförderung, Unterstützug der Regionalentwicklung, Sonderurlaub für die Mitarbeiter für die Teilnahme an sozialen Projekten und aktiver Umweltschutz gehören in den Firmen zum Portfolio des gesellschaftlichen Engagements. Die Befragung ermittelte jedoch auch: Viele kleine und mittelständische Unternehmen engagieren sich zwar gesellschaftlich, kommunizieren dies jedoch nicht. „Die Betriebe halten Corporate Social Responsability eher für einen Modetrend von Großunternehmen und unterschätzen ihren eigenen Beitrag“, sagt Dr. Thomas Koch, der Pressesprecher der IHK Niederbayern.
Dabei gebe es – auch durch die aktuelle Studie – inzwischen viele Belege für einen direkten Zusammenhang zwischen Engagement und Erfolg: Zum Beispiel hängen aktives Umweltengagement eines Unternehmens und seine Innovationstätigkeit eng zusammen. Zudem weist die Erhebung einen positiven Einfluss mitarbeiterorientierter Geschäftspolitik auf den Geschäftserfolg des Unternehmens nach.
Die Studie zu einem klaren Schluss: Gerade die Mittelständler müssten ihr Engagement offensiver kommunizieren – so wie es auch die ganz Großen der Branche tun. „Tue Gutes, sprich darüber und profitiere davon“, heißt die Leitmaxime, die die niederbayerische Industrie- und Handelskammer und das Max-Planck-Institut für Ökonomik den Mittelständlern mit auf den Weg geben. Eine offene Kommunikation ihres Einsatzes habe für das Unternehmen viele Vorteile: unter anderem durch einen besseren Ruf in der Öffentlichkeit, bei Mitarbeitern und Kunden.






