01.07.2008
Jedes Jahr im Juli: Jazz-Magnet in der niederbayerischen Provinz
Kulturengagement anders: Ein Strickermeister aus Vilshofen holt Jahr für Jahr die Stars nach Niederbayern: „Jazz an der Donau“ in Straubing gehört offiziell zu den zehn bedeutendsten Jazz-Festivals Europas
Straubing (obx) – James Brown, Diana Ross, die Söhne Mannheims oder auch die Blues Brothers – bei „Jazz an der Donau“ in Straubing (in diesem Jahr vom 17. bis 20. Juli 2008) geben sich die großen Weltstars die Mikrofone in die Hand. Bei Künstleragenturen jenseits des großen Teichs ist das bereits 1992 (nach nur sechs Jahren) offiziell als eines der zehn bedeutendsten Jazz-Festivals ausgezeichnete Event ein fester Begriff. Heinz Huber, ein jazzverrückter Strickermeister aus Vilshofen, hat „Jazz an der Donau“ groß gemacht. Nach über 20 Jahren weiß er, worauf es ankommt: Blueslegende B. B. King fährt natürlich in einer Stretch-Limousine zur Bühne, Star-Geiger Nigel Kennedy wird gern in den Bayerischen Hof nach München chauffiert und Al Jarreau bekommt immer seine 16-seitige Wunschliste vom Preiselbeersaft aus dem Reformhaus bis zum naturbelassenen Honig für die Stimme erfüllt. „Die Betreuung der Musiker ist das wichtigste“, sagt Huber.
Für die vermeintlich noch so übertriebenen Sonderwünsche und Eitelkeit hat der 63-jährige Hauptorganisator vollstes Verständnis. Sei es, dass Diana Ross liegend in ihrer Limousine fahren will oder James Brown von seinem Jet in München direkt auf dem Rollfeld abgeholt wird, dann aber doch per Taxi aus Salzburg anreist – die Landegebühren in München waren ihm zu teuer. „Wer 200 Tage und mehr im Jahr auf Tournee ist, der kann auch verlangen, dass die Veranstalter sich um ihn bemühen.“ Dieses Engagement spricht sich bei den Musikern herum und es ist kein Problem, jedes Jahr aufs Neue namhafte Stars für die niederbayerische Provinz zu begeistern.
22 Jahre wird „Jazz an der Donau“ 2008 alt – für ein Musikfestival dieser Art eine nicht alltägliche Sache. Zumal die ersten Gehversuche als „Jazzmeeting“ in Vilshofen gerade mal einige Hundert Zuschauer anlockte. Mit Spediteur Karl-Heinz Häring hob Heinz Huber samt zwei weiterer Mitstreiter das Festival aus der Taufe und setzte in Sachen Qualität von Anfang an große Maßstäbe: die Crusaders und Musiklegende Tito Puente standen bei der Premiere 1987 auf der Bühne. Dieser Anspruch hatte seinen Preis – bis zum dritten Event mussten rund 200.000 Mark aus privaten Kassen zugeschossen werden. „Das war es aber wert“, sagt Huber.
Wie in früheren Jahren gibt der 63-Jährige bis heute eine private Bürgschaft um die Creme de la Creme der internationalen Musikszene nach Straubing zu holen. „Kultur kann nicht nur in Großstädten stattfinden“, begründet er sein Engagement. Der Gesamt-Etat für Künstlergagen, das Zelt und die Logistik, Werbung und Organisation beträgt mittlerweile mehr als eine halbe Million Euro. Dank vieler Sponsoren, wie E.ON Bayern, der Stadt Straubing und BMW, gelingt es immer wieder, das zu schultern. Doppelt von Vorteil – in Straubing sitzt die deutsche Niederlassung des amerikanischen Lautsprecherherstellers Dynacord, die auch für den Klang im Festzelt sorgt.
Was aber die Künstler und gleichsam die Besucher bei „Jazz an der Donau“ am meisten schätzen, ist der familiäre Charakter und die lockere Atmosphäre. 2004 etwa konnte man den berühmten amerikanischen Jazzstar James Brown mit Lockenwicklern auf dem Kopf übers Gelände schlendern sehen und den Söhnen Mannheims beim Schwimmen zuschauen.
Bei „Jazz an der Donau“ ist alles Familiensache: Ehefrau Doris, Tochter Issy und Sohn Ralph stehen als Rückgrat hinter Heinz Huber – in der Anfangszeit aktiv beim Plakatkleben, heute mit klarer Aufgabenteilung. „Wenn die Musiker auf der Bühne stehen und das Publikum zufrieden ist, das sind die schönsten Momente“, sagt Doris Huber. „Da hat man dann ein richtiges Glücksgefühl.“
Mit dem Programm für 2008 soll das in den letzten Jahren gewandelte Konzept bei „Jazz an der Donau“ fortgesetzt werden: eine Mischung aus Jazz und Pop – für Freunde des klassischen Jazz so reizvoll wie für jüngeres Publikum. „Die Ansprüche sind in den 20 Jahren natürlich gestiegen“, sagt der 65-jährige Strickermeister. Zu den Highlights der 22. Ausgabe des Festival-Evergreens gehören: die Latino-Superstars Sergio Mendes und Eumir Deodato, die Soul-Legenden Solomon Burke und Percy Sledge und hoffnungsvolle Newcomer wie Ramón Valle und die kecken Puppini Sisters.
Für den Auftakt des Festivals haben die Hubers – nach Seal im Vorjahr – in 2008 erneut einen Jazz-unverdächtigen Act verpflichtet: Reamonn. Die derzeit erfolgreichste deutsche Rockband will mit Hits wie „Supergirl“ die mehrere tausend Besucher im Straubinger Festzelt begeistern. Den Schlussakkord setzt heuer die junge oberbayerische Überfliegerin Claudia Koreck („Fliagn“) mit bayerischem Mundart-Rock. Mehr Infos und Karten: www.jazzanderdonau.de






