09.06.2008
Wirtschaft in grenzenloser Potenz

Zukunftstrio in der Mitte Europas: Gemeinsam wollen Niederbayern, Oberösterreich und Südböhmen die Konkurrenz aus dem Rest der Welt überholen

Passau/Linz/Budweis – Niederbayern, Oberösterreich und Südböhmen wollen in den kommenden Jahren gemeinsame Wege gehen. Die drei Grenzregionen zwischen Passau, Budweis und Linz mit insgesamt rund drei Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftsleistung von derzeit knapp 80 Milliarden Euro, wollen in Zukunft ihr wirtschaftliches Potenzial bündeln. Noch bestehende Grenzen und Handelshürden sollen fallen. Damit will das „Zukunftstrio in der Mitte Europas“ zur Modellregion an der Schnittstelle des alten und des neuen Europas werden. Erste erfolgreiche Projekte beispielsweise für Unternehmensgründer laufen bereits. In Zukunft soll eine neue gemeinsame Koordinationsplattform eine noch engere Abstimmung der Partner möglich machen.

„Für unsere Grenzregion liegt die Perspektive in einer noch weiter intensivierten Zusammenarbeit mit unseren unmittelbaren Nachbarn in Südböhmen und Oberösterreich“, sagt Walter Keilbart, der Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern. Die Grundsteine dafür seien längst gelegt, sagte er. Diese Orientierung über die Grenze sei auch kein Widerspruch dazu, dass sich einzelne niederbayerische Regionen wie der Großraum Landshut oder das Rottal stärker in Richtung München orientieren. Gerade diese regionalen Unterschiede seien es, die im neuen Kooperationsraum besonders große Synergien möglich machen.

„Mit dem Begriff ‚Wirtschaft hoch 3’ wollen wir deutlich machen, dass gerade Länder übergreifende Kooperationseffekte sich nicht nur ergänzen, sondern sich zu einem erheblichen Mehrwert ausbauen lassen“, sagt der niederbayerische IHK-Hauptgeschäftsführer.

Auch in Oberösterreich und Südböhmen sehen die Wirtschaftsverbände die stärkere Zusammenarbeit im Drei-Länder-Eck als Meilenstein für die zukünftige Entwicklung der Regionen. Für Dr. Rudolf Trauner, den Präsidenten der Wirtschaftskammer Oberösterreich, wird eine Vision Wirklichkeit: „Wenn es uns gelingt, die Kräfte zu bündeln, etwa in Form einer noch stärkeren Abstimmung der Wirtschaftspolitik oder bei der Verkehrsinfrastruktur, so kann eine echte Europaregion entstehen, die die bestehenden Grenzen endgültig überflüssig werden lassen“, sagt der Kammerpräsident. Miroslav Dvorák, Vorstandsvorsitzender der Südböhmischen Wirtschaftskammer sieht in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ebenfalls einen klaren Standortvorteil für die Zukunft.

Sowohl die Wirtschaftskammer als auch die Unternehmen denken in Niederbayern schon seit vielen Jahren grenzenlos. Bereits heute unterhalten rund 1.000 Unternehmen zwischen Straubing und Passau Geschäftsbeziehungen mit tschechischen Partnern. „Und auch die Zusammenarbeit mit Österreich nimmt beständig zu“, sagt Peter Sonnleitner von der IHK Niederbayern. Diese grenzüberschreitenden Synergien hätten viele Unternehmen wettbewerbsfähiger gemacht – zum Beispiel durch eine Mischkalkulation, wenn ein Teil der Produktion nach Tschechien verlagert wurde. „Allerdings hat in diesen Sektoren ein weltweiter Wettbewerb eingesetzt, der derzeit vor allem asiatische Unternehmen begünstigt“, erklärt der IHK-Experte. „Die dortigen Kostenvorteile konnten auch durch die Kombination mit den günstigeren tschechischen Unternehmen nicht aufgefangen werden.“

Deshalb setzen die drei Kammern auf gemeinsame Zukunftsprojekte, die Innovationen in den Mittelpunkt stellt –  wie „Grenzenlos erfolgreich gründen“,  das Neu-Unternehmern dabei hilft, das Rechts- und Verwaltungssystems des Nachbarlandes besser zu durchschauen“. Um gerade kleinen und mittleren Unternehmen das Arbeiten und Liefern über die Grenze im Dreiländerraum leichter zu machen, haben die Wirtschaftskammern gemeinsam viele bürokratische Hemmnisse beseitigt. Im Projekt „Gemeinsam stärker werden“ bieten die Verbände den Unternehmen grenzüberschreitende Weiterbildungsprogramme, um ihren Standort fit zu machen für die grenzenlose Zukunft.



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