03.06.2008
Botschafter mit „Residenz“ in der Aktentasche
Niederbayern wirbt weltweit mit eigenen „Botschaftern“ um Betriebsansiedlungen und Gäste. Der Erfolg bestätigt die Wirksamkeit dieser ungewöhnlichen Marketingstrategie.
Landshut/Deggendorf (obx) – Was haben der Comedystar Django Asül, DFB-Schatzmeister Heinrich Schmidbauer, Bauernpräsident Gert Sonnleitner und der Ex-Eishockey-Profi Alois Schloder gemeinsam? Alle vier stammen aus Niederbayern und rühren heute als „Hobby-Diplomaten“ gemeinsam mit knapp einhundert anderen Kultur-, Unternehmer- und Sportgrößen aus der Region auf dem gesamten Globus die Werbetrommel für ihre niederbayerische Heimat. Die Idee, Niederbayern statt durch millionenteure Werbung mit eigenen Botschaftern aus der Region deutschland- und weltweit bekannt zu machen, hatte das Regionalmarketing. Die Idee ist in den vergangenen fünf Jahren zum Erfolgsmodell geworden und hat beispielsweise ein australisches High-tech-Unternehmen nach Niederbayern gelockt.
„Durch diese Botschafter ist unsere Region jetzt in ganz Deutschland und sogar weltweit präsent“, sagt Peter Schmid, für das Regionalmarketing zuständiger Projektleiter bei der Regierung von Niederbayern in Landshut. Niederbayern setzt bei seinen derzeit knapp 90 Botschaftern vor allem auf Multiplikatoren aus der Wirtschaft, aber auch Kultur und Sport: So werben neben dem gebürtigen Deggendorfer Django Asül und Sparkassen-Vorstand Karl Bauer auch der Chef von Deutschlands größtem Fertighaus-Unternehmen Xaver Haas und der Künstler Angerer der Ältere für ihre Heimat.
Seit 2003 setzt Niederbayern auf das Botschafter-Konzept. Das Prinzip ist einfach: Unternehmer, Sportler oder Kulturschaffende werden auf ihren Reisen um den Globus zu lebenden Aushängeschildern für ihre Heimat. Ausgestattet mit eigenen Visitenkarten mit Logo, kurzem Infomaterial und der Ehre, ein Botschafter des Landkreises Cham oder Niederbayerns zu sein, werden sie zu engagierten Werbern. Die Sternstunden des Botschaftermodells sind Erfolgsgeschichten wie die Ansiedlung des australischen High-tech-Unternehmens EOS Optronics in Deggendorf. Professor Dr. Reinhard Höpfl, Präsident der Deggendorfer Fachhochschule und selbst Niederbayern-Botschafter, hatte bei der Firma aus „Down under“ für den deutschen Standort geworben.
Eines verbindet alle Botschafter: Sie stehen voll hinter Niederbayern und dieser „Lokalpatriotismus“ wird durch die Botschafterrolle noch gestärkt. „Wir leben in der Region mit der höchsten Lebensqualität“, sagt Botschafter Dr. Fritz Audebert, Geschäftsführer ICUnet.AG in Passau. „Niederbayern ist in sehr sehr vielen Bereichen Weltmarktführer und keiner kriegt es eigentlich so richtig mit – und als Botschafter kann man das schon gut vermarkten“, erklärt der Spitzenmanager.
Der Künstler Ludwig Valentin Angerer ist – obwohl in Oberbayern geboren – besonders stolz auf seine niederbayerische Heimat: „Kulturell ist dieser Bereich hochinteressant“, sagt der Bildhauer, der auch als „Angerer der Ältere“ bekannt ist. „Wir haben Kloster Weltenburg, Kloster Rohr, sehr schöne romanische Kirchen usw. Niederbayern ist ein Raum, in dem man sehr gut leben kann.“ Bei seinen Ausstellungen in Deutschland, Frankreich und Belgien ist ihm eins immer besonders wichtig: die Beziehung zu seiner bayerischen Heimat.






