08.05.2008
Spitzen, die für Abensberg die Welt bedeuten

Die Abensberger behaupten von sich, sie machen Deutschlands besten Spargel. Da sich über Geschmack nicht streiten lässt, wollen die Niederbayern mit harten Fakten der Konkurrenz von anderen deutschen Spargelfeldern eine Spitze voraus sein.

Abensberg (obx) – In das Stadtwappen haben es die weißen, im Idealfall gut 25 Zentimeter langen Stangen bisher noch nicht geschafft. Der Spargel hat der niederbayerischen Kleinstadt, rund 30 Kilometer südlich von Regensburg, in den vergangenen Jahren allerdings bundesweit zu erheblicher Bekanntheit verholfen. Nicht ganz unbescheiden behaupten die heute rund 120 Spargelbauern, die heute das majestätische Gemüse in und um Abensberg kultivieren, von sich, sie machten den besten Spargel Deutschlands, wahrscheinlich sogar Europas. Mit dem Geschmack ist das jedoch so eine Sache. Allein mit dem Gefühl am Gaumen kann man das Rennen gegen die anderen deutschen Spitzen-Spargelfelder – ob im oberbayerischen Schrobenhausen oder im brandenburgischen Beelitz – nicht gewinnen, sind die Niederbayern überzeugt. Deshalb haben sich die Abensberger eine Art „Spargel-Ehrenkodex“ gegeben, mit der sie mit vereinten Kräften gegen die inländische und ausländische Konkurrenz kämpfen.

Denn wenn es nur nach der Größe der Anbaugebiete ginge, hätte Abensberg schlechte Karten: die größte Spargelregion im Freistaat Bayern ist das Gebiet um das oberbayerische Schrobenhausen. Zwei von fünf bayerischen Spargelstangen kommen von dort. Aus Abensberg stammt im Durchschnitt jede fünfte Stange des weißen Edelgemüses. Und dennoch eilt dem Spargel aus der niederbayerischen Kleinstadt heute bundesweit ein exzellenter Ruf voraus.

Insgesamt wachsen heuer bis zum Ende der Spargelsaison am 24. Juni etwa 1.500 Tonnen Abensberger Qualitätssspargel auf den Feldern heran. „Die werden ohne Probleme ihre Abnehmer finden, schätzt Martin Neumeyer. Der CSU-Landtagsabgeordnete ist Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft „Abensberger Qualitätsspargel“, in der die Landwirte zusammengeschlossen sind. Der Politiker kämpft auf allen parlamentarischen Ebenen für das weiße Edelgemüse aus seiner Heimat.

Der bisher größte Meilenstein der Abensberger Bauern, um sich von der Konkurrenz abzusetzen: Vor elf Jahren haben sie gemeinsam mit Behörden, Umweltfachleuten und Spargelexperten Sonderrichtlinien für die Produktqualität erarbeitet. „Diese Regeln sind heute deutlich strenger als die Maßstäbe der höchsten EU-Handelsklasse“, sagt Martin Neumeyer. So ist beispielsweise der integriert-kontrollierte Anbau verpflichtend. Dabei wird der für den Spargel besonders wichtige sandige, lockere Boden besonders geschont, da viele aggressive Dünge- und Schädlingsbekämpfungs-Mittel verboten sind. Auch für die Sortierung und Aufbereitung nach der Ernte gelten strengere Regeln als im Rest der EU, sagt Neumeyer. Zusätzlich werden die rund 400 Hektar Spargelfelder in Abensberg regelmäßig vom Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung überprüft.

Bei den Abensberger Regeln für den Premiumspargel geht es nicht nur um die Ehre: Wer von den Bauern die strengen Maßstäbe nicht durchhält, fliegt aus der Erzeugergemeinschaft. Der Kunde auf den Wochenmärkten, an den kleinen Abensberger Spargelhütten, die in vielen Orten in Süddeutschland aufgebaut sind,  oder in Supermärkten merkt von dem strengen „Ehrenkodex“ wenig.  „Da zählt natürlich der Geschmack“, sagt Martin Neumeyer, der den Abensberger Spargel selbst am liebsten „al dente und mit rohem und gekochtem Schinken“ isst.



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