21. April 2008
Drei-Länder-Festival: Musikstunde im europäischen Haus

56. Europäische Wochen in Passau: Europas ältestes Drei-Länder-Kulturfestival will in diesem Sommer mit über 60 Veranstaltungen unter dem Motto „Von Glaube, Hoffnung und Liebe“ rund 50.000 Kulturbegeisterte nach Niederbayern locken

Passau (obx) – Genau 56 Jahre ist es her, dass 1952 amerikanische Offiziere und die Passauer Stadtväter die „Europäischen Wochen“ als kulturelles Pflänzchen der Freiheit und der Offenheit aus der Taufe hoben. Ein knappes halbes Jahrhundert dauerte es, bis es die Passauer Festspiele auf den Olymp der Europäischen Kulturfestivals schafften: Seit 1999 gehört das sommerliche Spektakel in Niederbayern, Oberösterreich und Böhmen zur Elite des europäischen Musiksommers, die in der „Association Européenne des Festivals“ zusammengeschlossen ist. Auch in diesem Jahr will Intendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg mit einem – im Vergleich zu anderen Festivals – Mini-Budget von 1,3 Millionen Euro – ein mit internationalen Stars gespicktes Programm bieten, das es locker mit den Festspielen in Salzburg oder Bayreuth aufnehmen kann. Vom 12. Juni bis zum 20. Juli sind 62 Veranstaltungen an 27 Spielorten geplant.

Die Aufnahme in die Elite der europäischen Kulturfestivals war für die Passauer Verantwortlichen ein Meilenstein in ihren Bemühungen um nationale und internationale Anerkennung. Seit acht Jahren haben Kritiker und Musikexperten jetzt auch offiziell anerkannt, was Insider schon seit langem wussten: Die Europäischen Wochen stehen den Salzburger oder Bayreuther Festspielen, den berühmten BBC Proms in London oder den Festspielen in der Arena di Verona oder in Bregenz in Vielfalt und Qualität in nichts nach.

Worauf die Passauer besonders stolz sind: Der Weg in die Spitzengruppe Europas berühmtester Festivals ist dem gleichnamigen gemeinnützigen Förderverein mit einem Minimalbudget gelungen. Gerade einmal 1,3 Millionen Euro geben die Macher jedes Jahr ungefähr für die Drei-Länder-Festspiele aus, die allein 2007 knapp 50.000 Zuschauer in die Kirchen, Konzertsäle, Klöster und Innenhöfe lockte. Spezielle Kooperationen mit Orchestern, Chören, Theatern und Spielorten machen das große Angebot bei schmalem Geldbeutel möglich. Zusätzlich wird bei der Verwaltung gespart: Fünf Mitarbeiter bewältigen den gesamten Organisationsaufwand. Nur während der Festivalzeit werden neben den Technikern aushilfsweise zwei zusätzliche Kassendamen beschäftigt.

Auch in diesem Jahr peilt das Festival wieder einen neuen Zuschauerrekord an. Dieses Ziel scheint beim Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen in den vergangenen Jahren nicht unrealistisch: Unter der Leitung des Intendanten, Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg, steigerte das einmalige niederbayerisch-österreichisch-böhmische Gemeinschaftsprojekt die Besucherzahl auf das Doppelte. Neben den günstigen Eintrittspreisen (viele Veranstaltungen sind kostenlos, 69 Euro kostet die absolute Spitzenkategorie) gilt unter Kennern auch die Exklusivität der Veranstaltungsorte als Erfolgsgarant: Etliche Klöster und Kirchen öffnen eigens für die Europäischen Wochen ihre Mauern einen Abend lang für die Kultur. 2008 erstrecken sich die Festspiele insgesamt über einen Raum von etwa 120 mal 70 Kilometern – das ist europaweit Spitze.

An großen Namen herrschte bei den Passauer Festspielen in den vergangenen Jahren kein Mangel: ob Royal Philharmonic Orchestra London, der russiche Starclown Oleg Popov, der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin als Künstler oder die Staatspräsidenten Roman Herzog oder Jacques Chirac als Schirmherrn – Kunst, Musik und Politik schätzen die Europäischen Wochen gleichermaßen als Bühne für den gelebten Europagedanken.

Das soll auch dieses Jahr so sein: Unter dem Motto „Von Glaube, Liebe und Hoffnung “ will Festspielintendant Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg die Frage nach dem Verbleib von drei Tugenden stellen, die seiner Ansicht nach immer mehr Gefahr laufen, in unserer Gesellschaft an Bedeutung zu verlieren, aber unverzichtbar für menschliches Leben und Zusammenleben sind. Freiherr von Freyberg will auch aufzeigen, auf welche Weise sich Künstler der Vergangenheit und Gegenwart in ihren Werken in Europa mit diesem Thema auseinandergesetzt haben und auseinandersetzen. Schirmherrin ist in diesem Jahr die international bekannte russische Komponistin Sofia Gubaidulina. Sie ist in der Sowjetunion groß geworden und lebt heute in Hamburg. Musikkenner schätzen sie als eine der führenden Vertreterinnen der „Neuen Musik“ Russlands.

Zu den absoluten Höhepunkten in diesem Jahr zählt auch Georg Friedrich Händels „Messias“ in einer Aufführung unter Leitung von Enoch zu Guttenberg mit der Chorgemeinschaft Neubeuern und dem Orchesters der KlangVerwaltung, die für ihre Interpretation dieses Werks vielfach ausgezeichnet wurden, unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis. Besonders viel Zuschauerzuspruch erwarten die Organisatoren unter anderem auch zu Anton Bruckners „Messe Nr. 3 in f-moll“, zur 7. Passauer Orgelnacht, zu Konzerten mit den renommiertesten Konzertpianisten und Orchestern aus der ganzen Welt und zur 8. Internationalen Radionacht der Poesie. Viele der Veranstaltungen finden unter freiem Himmel statt. Eine Übersicht über Programm und Veranstaltungsorte ist im Internet unter www.ew-passau.de zu finden.



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