05.03.2008
Gerstensaft mit Gottes Segen
Im Kloster Mallersdorf wird das Bier noch heute unter der Regie einer Nonne gebraut – die einzige Kloster-Braumeisterin Bayerns und ihre zwei Helfer produzieren 3000 Hektoliter pro Jahr
Mallersdorf (obx) – Wenn im niederbayerischen Mallersdorf gebraut wird, hat seit jeher eine Nonne ihre Finger im Spiel: über 70 Jahre ist es her, dass mit Schwester Lisana die erste Nonne ihre Braumeisterprüfung abgelegt hat – ihre Nachfolgerin, Schwester Doris, steht noch heute am Kupferkessel im Konvent der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie zu Mallersdorf. Sie sorgt dafür, dass Jahr für Jahr rund 3.000 Hektoliter in Flaschen mit Bügelverschluss abgefüllt werden.
„Es gibt kein Geheimrezept bei uns im Kloster“, klärt Schwester Doris auf, dennoch verkauft sich das Bier nicht nur in der Umgebung gut. Nach urkundlichem Beleg wird seit 1623 auf dem kleinen Hügel entlang dem Tal der Kleinern Laaber der Mallersdorfer Gerstensaft gebraut – damals noch von den Benediktinern, die aber mit dem Beginn der Säkularisation das Kloster im Jahr 1803 verlassen haben. Knapp 80 Jahre später wird die Brauerei samt Kloster an der heutigen Stelle wieder gebaut: am 19. November 1881 wird zum ersten Mal Bier von den Mallersdorfer Schwestern gebraut.
Bis heute wird der Gerstensaft nicht nur in der Region sehr geschätzt: das Bier macht auch seinen Weg quer durch ganz Deutschland zu allen Stationen der Armen Franziskanerinnen – sogar bis nach Ramstein, wo ein Getränkehändler das Klosterbier vermarktet. Zu verdanken ist das Schwester Doris. Das Aufsehen um Bayerns erste Nonne in der Brauereifachschule in Ulm war schon im Jahr 1974 groß – heute kostet die Ordensfrau das Tamtam gerade noch ein Lächeln.
„In dem Kurs war ich damals die erste und einzige Frau“, erinnert sie sich. „Anfangs war das für meine Mitschüler so unangenehm wie für mich.“ Dumme Bemerkungen blieben nicht aus. Einer versuchte gar, der Schwester nachzusteigen – allerdings ohne großen Erfolg. Ihr großes Vorbild war schon immer Schwester Lisana, die 60 Jahre die Klosterbrauerei auf dem Pfaffenberg geleitet und bis ins hohe Alter weiter dort geholfen hatte.
Bis heute wird der Gerstensaft überwiegend von den Nonnen selbst getrunken: „Zu jeder Mahlzeit gibt es bei uns Bier, außer beim Kaffee“, erzählt Schwester Doris. Laut den Ordensregeln müssen sich die Nonnen selbst versorgen. Neben der Brauerei, deren Gerste übrigens aus Eigenproduktion stammt, betreiben sie in Mallersdorf eine Bäckerei, eine Landwirtschaft mit Vieh, eine Imkerei, ein Schlachthaus und Gärten. Nur das Malz aus der Gerste wird in einer nahe gelegenen Firma gewonnen.
Immer mehr Touristen haben in den letzten Jahren das Kloster in dem beschaulichen Ort in Niederbayern entdeckt: Bis zu 200 Busse kommen Jahr für Jahr nach Mallersdorf – nicht wenige decken sich dabei mit dem süffigen Getränk ein, dass Schwester Doris mit ihren zwei Angestellten herstellt. Wahlweise direkt in der Klosterbrauerei oder auch im Klosterbräu-Stüberl, das mit den zahlreichen Tagesausflüglern recht gute Geschäfte macht.
Warum den Kennern das Mallersdorfer Bier so gut schmeckt, weiß Schwester Doris genau: „Wir machen vieles von Hand“, sagt sie, „aber gebraut wird bei uns, wie mir die Nase steht.“ Und das ist ihr ganzes Geheimnis. Sie liebt klare Worte. Und die benutzte sie: als vor einigen Jahren die Trinkgewohnheiten im Kloster „modernisiert“ werden sollten. Statt des Bieres sollte es während der Fastenzeit Mineralwasser geben: „Nonsens“, sagte Schwester Doris. „Mineralwasser müssen wir kaufen, das Bier haben wir selbst.“






